Tannerhof

Mein Versteck in den Bergen

Ich erreiche den Tannerhof zeitgleich mit den Ausläufern des Sturmtiefs „Sebastian“.
Wo eben noch blauer Himmel lockte, brauen sich jetzt dunkle Wolken zusammen. Die ersten Tropfen fallen, als ich die „Obere Rehhütte“ erreiche.
Bei der Wetterlage stelle ich mich auf gemütliche Tage in meiner kleinen aber feinen Holzhütte ein.

 
Tannerhof
 
Bevor es zuzieht, kann ich noch den Tannerhof und die anderen sogenannten „Lufthütten“ am Hang unter mir erkennen.
Ob ich wohl irgendwann den weiten Blick ins Tal genießen werde?
 
Mit Schirm bewaffnet schnappe ich meine Hündin Anouk und schlendere langsam hinab – zwischen den kleinen alten Hütten und den neugebauten Hüttentürmen hindurch – hinunter zu den Hauptgebäuden des Tannerhofes.

Ein Hotel aufgebaut wie ein Bergdorf.

Und da ich neugierig bin, nehme ich gleich an der Führung durch die vielen Räume, Gänge und Wohlfühloasen teil.
Neben den Speiseräumen liegt die Orangerie, das Schwimmbad und das Kaminzimmer.
In einem zweiten Gebäude befinden sich die Behandlungszimmer und ein großer Veranstaltungsraum.
 
Tannerhof
 
Der Tannerhof kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Jede Generation hat Veränderungen vorgenommen, ohne jedoch die Grundsätze der Gründer in Frage zu stellen.
Seit dem Aufbau der Kuranstalt zu Beginn des 20. Jahrhunderts stehen die Prinzipien des gesunden Lebens immer im Vordergrund.
Nachhaltigkeit, Ökologie und biologisches Essen sind bis heute zentraler Bestandteil der Philosophie des Ortes.
 
Tannerhof
 
Die Ereignisse vor und während der beiden Weltkriege, die zum heutigen Naturhotel und Gesundheitsressort geführt haben, sind so spannend wie ein Roman. Man kann sie in der ausliegenden Chronik nachlesen.
 

Meine mitgebrachten Bücher bleiben also unberührt im Koffer liegen.

 
Ich finde es faszinierend, dieses Stück Zeitgeschichte so hautnah mitzuerleben.
 
Am Abend habe ich Glück: im Tannerhof ist es üblich, Tischgemeinschaften zu bilden und ich sitze mit einer Zeitzeugin am Tisch, die den Ort noch aus den 90er Jahren kennt.
Es folgen wirklich unterhaltsame Stunden mit tiefen Einblicken in die Geschichte des Hotels. Erzählungen aus einer Zeit, in der der Tannerhof noch ein reines Sanatorium war: ein etwas aus der Zeit gefallener Rückzugsort für das gehobene Bürgertum und den alten Adel.
 
Die inhaltliche und bauliche Neuausrichtung erfolgte erst im Jahr 2011. Eine Herausforderung, die – wie ich finde – sehr gelungen ist, denn die damals festgelegten Werte haben bei all der Veränderung bis heute Bestand:

Ich habe selten eine so durchgängige und ehrliche Herzlichkeit erlebt, wie hier.

Sie drückt sich in jeder Begegnung mit den Mitarbeitern des Tannerhofs aus und trägt enorm zu meinem „Wohlgefühl“ bei.
 
Und noch eine weitere Besonderheit fällt mir auf: dieser Ort ist auf Alleinreisende eingestellt.
Wenn ich möchte, finde ich schnell Kontakt – aber ich kann mich auch zurückziehen und Ruhe finden. Dann schätze ich die Abgeschiedenheit meiner Hütte hoch oben über dem Geschehen und steige nur von meinem Berg, wenn das Essen ruft oder ich eine große Runde mit Anouk gehe.
 
Tannerhof
 
Denn bei all den vielen Möglichkeiten, etwas Gutes für sich zu tun (Schwimmbad, Sauna, tägliche Kurse für Thai Chi oder Wassergymnastik sowie eine große Auswahl an Behandlungen) ist es doch auch schön, einfach zu sein und die Umgebung zu genießen – abseits von jeglicher Betriebsamkeit.
 
Und so entschließe ich mich, die Angebote zu ignorieren und den Spätsommer zu feiern. Denn inzwischen ist wider Erwarten die Sonne herausgekommen und ich genieße das Licht, die Wärme und die besondere Atmosphäre des Ortes.
 
Nach dem Abendessen laufe ich langsam wieder den Berg hinauf – betrachte den atemberaubenden Sternenhimmel – und mache es mir in meiner Hütte kuschelig bequem.
 
Tannerhof
 
Der Raum ist klein, hat aber alles was man braucht.
Urig und alpenländisch eingerichtet.
Mit einem Badezimmer, das mir auch tagsüber die Sterne näher bringt.
 
Tannerhof
 

Die Fakten:
 

Highlight:

Mein Highlight war eindeutig der Weg hinauf in die Hütte.
Nach dem Abendessen und in tiefer Dunkelheit.
Die Schotterstrasse ist beleuchtet, sonst sieht man nichts.
Beim Aufstieg wurde mir wieder bewusst, wie schön der Sternenhimmel abseits der Städte ist.
 

Ideal für:

Alle, die ein paar richtig gesunde Tage verbringen möchten. Der Tannerhof ist wie gemacht für Alleinreisende. Vor allem auch für alleinreisende Frauen. Denn man bekommt Kontakt, wenn man möchte und hat seine Ruhe, wenn man sie braucht. Außerdem kann man sich wirklich verwöhnen lassen: es gibt ein Schwimmbad, Sauna aber auch manuelle Therapien und kosmetische Anwendungen.
 

Besonderheit:

Der Tannerhof bio-zertifiziert. Das heißt, es werden nur biologisch angebaute Lebensmittel, Kosmetik etc. verwendet.
Außerdem:
Wer alleine anreist, wird mit anderen Hotelgästen an einen Tisch gesetzt. Außer man möchte für sich sein – dann bekommt man einen eigenen Tisch in der Orangerie.
 

Tipp:

Ein kleiner Spaziergang den Berg hinauf führt zur alten Linde. Sie hat 5 Stämme und wird als besonderer Ort geschätzt. Der Baum ist aber auch wirklich kraftvoll schön!
 

Lage:

Der Tannerhof liegt oberhalb von Bayerischzell, ca. 1 Autostunde südöstlich von München.
 

Preise:

Die Lufthütten kosten zwischen 150 – 205€ bei Einzelbelegung und 125 – 175€ p.P. wenn man zu zweit anreist (Stand Oktober 2017).
Darin ist eine 3/4 Pension enthalten bestehend aus Frühstück, Mittagsbuffet und 4-Gang Abendmenü.

 

Buchung und Kontakt:

Tannerhof – Naturhotel & Gesundheitsressort
Tannerhofstr. 32
D-83735 Bayrischzell
Website
 

Und zum Schluss:

Als die Sonne sich durch die Wolken durchgekämpt hat, habe ich meine Kamera geschnappt und konnte einige schöne Photos von den Hütten, den Hüttentürmen und dem Hof machen. Wenn du also wissen willst, was dich dort erwartet, kannst du dir hier das ausführliche Exposé herunterladen.
 

Und noch etwas…

Es ist Zeit, meinen Dank auszudrücken! Für die vielen Tipps von meinen Leser*innen für mögliche ZENPLACES. Im Fall vom Tannerhof insbesondere Barbara Heiner, die mich auf diesen wunderbaren Ort aufmerksam gemacht hat.
Wenn Ihr also eine Idee für einen ZENPLACE habt und glaubt, einen Ort zu kennen, den ich unbeding mal besuchen sollte – dann freue ich mich über Kommentare!
 
Tannerhof

  1. …Ich habe ja ehrklichgesagt schon auf diesen Beitrag gewartet. 🙂
    Der Tannerhof ist gar nicht so weit weg von mir, aber bisher habe ich es noch nie geschafft, mal hinzufahren und dort zu übernachten. Umso mehr war ich gespannt auf deine Einblicke.
    Die Bilder sind absolut toll und dass der Tannerhof wie gemacht für Alleinreisende ist, macht ihn noch interessanter für mich. Ich stelle es mir toll fort, dort zu übernachten, mich verwöhnen zu lassen (z.B. bei einem Yoga-Retreat). Und allein schon wegen der von dir beschriebenen alten Linde muss ich da mal hin. 🙂

    Danke für die tollen Fotos und den schönen Bericht!

    Alles Liebe,
    Chrissi

    • Hallo Chrissi! Ja, der Tannerhof stand schon eine ganze Weile auf meiner Liste. Man hat dort einfach seine Ruhe und kann sich trotzdem rundum verwöhnen lassen. Ich mochte diese Kombination zwischen alter Berghütte und moderner Infrastruktur sehr gerne. Das Essen ist klasse und alle sind extrem liebenswürdig. Ich werde sicher wieder hinfahren! Habe es fein, Sabine

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